Die Gewährleistung der Energieversorgungssicherheit in Deutschland ist eine der wichtigsten Aufgaben des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie.
Wie wichtig eine störungsfreie Stromversorgung für unsere Gesellschaft ist, zeigt sich, wenn plötzlich "die Lichter ausgehen". Zum Glück ist dies in der Vergangenheit in Deutschland nur selten vorgekommen. Die deutsche Stromversorgung ist im internationalen Vergleich sehr zuverlässig. Doch die wenigen Einzelfälle - wie im Münsterland Ende des Jahres 2005 - waren besorgniserregend genug. Sie zeigten, dass eine sichere Stromversorgung unverzichtbar ist. Dabei geht es um mehr als die Sorge um Licht und Komfort. Strom ist heute eine existentielle Voraussetzung unseres Lebens. Vor allem anderen müssen wir daher darauf achten, dass stets ausreichende und angemessene Kapazitäten für die Stromerzeugung und -verteilung zur Verfügung stehen.
Die Unternehmen müssen in neue Stromerzeugungsanlagen auf der Basis von Braunkohle, Steinkohle und Gas, den sogenannten fossilen Energien, investieren. Den Ausbau der erneuerbaren Energien unterstützt die Bundesregierung mit enormen Subventionen. Doch selbst wenn wir unsere ehrgeizigen Ziele, den Anteil der erneuerbarer Energien am Stromverbrauch auf 25 - 30 % bis 2020 zu erhöhen, erreichen sollten, bleibt es unsere Hauptaufgabe, uns um die restlichen 70 - 75 % der Stromerzeugung zu kümmern. Nur so können wir Versorgungsrisiken ausschließen. Ein Ausstieg aus der Kernenergie würde dieses Risiko weiter erhöhen.
Bei der Zusammenstellung des Energiemix für Deutschland muss man bedenken, dass viele Möglichkeiten der Energiegewinnung mit Risiken verbunden sind und dazu führen können, dass andere energiepolitische Ziele nicht erreicht werden können, zum Beispiel
Kohle ist zwar weltweit reichlich vorhanden. Sie ist aber gleichzeitig emissionsintensiv und im Rahmen einer europäischen Zertifikatsregelung künftig mit erheblichen Zusatzkosten belastet.
Erdgas ist vergleichsweise emissionsarm. Es macht uns aber langfristig immer abhängiger von Importen und ist mit Preisrisiken verbunden. Schon heute sind wir bei der Gasversorgung zu über 80 % von ausländischen Quellen abhängig und der Gasimportpreis hat sich in den letzten zehn Jahren mehr als verdreifacht.
Ein noch stärkerer Zubau von Kraft-Wärme-Kopplungs(KWK)-Anlagen könnte zwar die energetische Effizienz der Energienutzung erhöhen, da man bei diesem Verfahren die bei der Herstellung von Strom zusätzlich entstandene Wärme nutzen kann - beispielsweise für die Beheizung von Wohngebäuden über das Fernwärmenetz. Der Bau von neuen Anlagen ist jedoch vergleichsweise teuer und lohnt sich in der Regel nur, wenn ausreichend Wärme nachgefragt wird. Die Nachfrage nach Wärme geht jedoch mit zunehmendem Erfolg der Einsparbemühungen bei Gebäuden - zum Beispiel durch Sanierungen - stetig zurück. Das ist eine sehr erfreuliche Entwicklung. Für die Kraft-Wärme-Kopplung heißt dies allerdings, dass ein wichtiges Argument für den weiteren Zubau von Anlagen an Bedeutung verliert.
Längere Laufzeiten für bestehende Kernkraftwerke bedeuten langfristig eine preisgünstige, sichere und klimaschonende Stromerzeugung. Es gibt ausreichend Uranressourcen in politisch stabilen Regionen, die Erzeugungskosten der - weitgehend abgeschriebenen - Anlagen sind niedrig und der Beitrag der Stromerzeugung aus Kernenergie zur Entlastung unserer Treibhausgasbilanz ist beträchtlich. Er entspricht etwa dem gesamten CO2-Ausstoß des Straßenverkehrs in Deutschland. Um diese Option nutzen zu können, müssen jedoch erhebliche politische Widerstände überwunden werden.
Unabhängig von der Entscheidung, welcher Ausbaustrategie künftig der Vorzug gegeben wird, ist eines klar: Am wenigsten sinnvoll ist es, das Problem zu leugnen und nichts zu tun. Kapazitäten, die im Zusammenhang mit dem Ausstiegsbeschluss oder aus Alters- und Effizienzgründen vom Netz genommen werden, müssen in den kommenden Jahren zügig ersetzt werden. Um Versorgungsrisiken zu vermeiden, müssen Kraftwerke, die vom Netz genommen werden - sei es im Zusammenhang mit dem Ausstiegsbeschluss oder aus Alters- und Effizienzgründen -, in den kommenden Jahren zügig ersetzt werden. Durch den beschlossenen Ausstieg aus der Kernenergie oder durch Außerbetriebnahmen von Kraftwerken aus Alters- und Effizienzgründen werden laut Prognosen bis 2020 rund 40.000 Megawatt (MW) an Kraftwerkskapazität fehlen. Diese Menge muss ersetzt werden, damit die Stromversorgung auch weiterhin gesichert ist. Zieht man die Leistung der Anlagen ab, die sich zurzeit im Bau befinden, verbleibt aus heutiger Sicht immer noch eine Lücke von ca. 11.000 MW, die es zu schließen gilt. Das entspricht der Leistung von 14 Großkraftwerken mit je ca. 800 MW.
Nicht nur bei der Erzeugung von Strom gibt es Handlungsbedarf. Auch die Transport- und Verteilungsleitungen müssen errichtet bzw. erneuert werden. Diese Aufgabe ist alles andere als einfach: Sie bindet enormes Investitionskapital, benötigt erhebliche Vorlaufzeiten und birgt Unsicherheiten. Das hat nicht zuletzt die Diskussion um das Eigentum an den Netzen gezeigt.
Ein Beispiel verdeutlicht die Dimension der Herausforderung: Allein für die Abführung der Windstrommengen, die 2020 aus der Nord- und Ostsee ins Binnenland transportiert werden sollen, müssen nach einer Netzstudie der Deutschen Energieagentur (dena) Neubautrassen von rund 800 Kilometer Länge geschaffen werden.
Eine preisgünstige, versorgungssichere und umweltgerechte Stromversorgung ist keine Selbstverständlichkeit. Eine verantwortungsvolle Politik muss die nötigen Rahmenbedingungen schaffen, damit die Versorgung auch in Zukunft garantiert ist. Gleichzeitig gilt, dass die Stromversorgung im Rahmen unserer Wirtschaftsordnung in erster Linie eine unternehmerische Aufgabe ist - erst recht in einem liberalisierten europäischen Binnenmarkt. Die Unternehmen können dieser Aufgabe jedoch nur entsprechen, wenn sie ihre Investitionspläne auch umsetzen können. Vielfach werden die Widerstände insbesondere gegen Kohlekraftwerke klimapolitisch begründet. Hiergegen ist einzuwenden, dass durch die Verhinderung eines Kohlekraftwerks in der EU keine einzige Tonne CO2 eingespart wird. Die Einhaltung der Klimaschutzziele im Kraftwerksbereich wird allein durch den EU-weiten Emissionshandel gewährleistet Die alles entscheidende Vorgabe ist dabei die Festlegung der erlaubten Gesamtemissionsmenge durch EU-Rat und EU-Parlament, die von allen dem Emissionshandel unterliegenden Anlagen nicht überschritten werden darf. Für jede Kraftwerksemission muss die entsprechende Menge an CO2-Emissionsberechtigungen erworben werden, die dann für andere Kraftwerke nicht mehr zur Verfügung steht.
Die deutsche Energieversorgung ist im Laufe der Zeit immer stärker von Importen abhängig geworden. Die Importabhängigkeit liegt gegenwärtig bei 63 %*. Bei Mineralöl sind wir zu 97,8 % und bei Gas zu 87,8 % von Importen abhängig. Bei der Steinkohle sind es 74,4 %. Lediglich bei Braunkohle und bei den erneuerbaren Energien (mit Ausnahme der Biokraftstoffe) kann die deutsche Energieversorgung fast vollständig auf heimische Energieproduktion zurückgreifen. Die Stromproduktion aus Kernenergie wird in der Energiestatistik nach internationaler Konvention als heimische Energieerzeugung gewertet.
* Alle Zahlen sind vorläufig und beziehen sich auf das Jahr 2008.
Zur Entwicklung des künftigen Strombedarfs liegen verschiedene Prognosen und Szenarien vor (siehe Infografik). Die meisten Prognosen erwarten, dass sich der Strombedarf langfristig allmählich stabilisiert oder sogar zurückgehen wird. Verantwortlich hierfür seien rückläufige Bevölkerungszahlen, Sättigungstendenzen und eine Ausschöpfung des Einsparpotenzials. Es gibt allerdings auch Prognosen, die es für den Zeitraum bis 2030 durchaus für möglich halten, dass unser Strombedarf weiter zunimmt.

Infografik: BMWi
Erdgas trägt mit 13 % zur Stromerzeugung bei. Es ist ein klimaschonender Energieträger, der bei der Verbrennung deutlich geringere Emissionen als andere feste oder flüssige fossile Energieträger freisetzt. Bei der Frage, welche Rolle Erdgas im Energie- und Strommix der Zukunft spielen soll, ist neben dem Kostenaspekt besonders der Aspekt Versorgungssicherheit. zu bedenken. Der Importanteil bei Erdgas liegt in Deutschland bei ca. 85 %.
Wie sich unser Gasverbrauch entwickeln wird, wird nicht zuletzt von der langfristigen Entwicklung der Energiepreise und der künftigen Klimaschutzpolitik abhängen. Unabhängig davon gehen verschiedene Szenarien davon aus, dass im Kraftwerksbereich mehr Gas benötigt wird. Die zukünftige Entwicklung des Gasverbrauchs für die Stromproduktion in Deutschland ist in Abhängigkeit der Annahmen zur langfristigen Energiepreisentwicklung und zur Ausgestaltung der Klimaschutzpolitik zu sehen. Verschiedene Szenarien gehen von einem Gasmehrbedarf im Kraftwerksbereich aus, unabhängig von der Frage, ob der Erdgasverbrauch in Deutschland grundsätzlich eher ansteigt oder zurückgeht. Weltweit, aber auch in Europa sind die Gaspreise sehr eng mit den Ölpreisen verbunden. Bei einem stark steigenden Ölpreis birgt eine Stromerzeugung, die überwiegend auf Gas beruht, hohe Risiken für den Strompreis. Denn der Preis von Strom, der aus Gas erzeugt wird, enthält einen hohen Anteil an Brennstoffkosten.
Als Flüssigerdgas oder kurz LNG (englisch für Liquefied Natural Gas) bezeichnet man Erdgas, das durch Abkühlen auf minus 162 Grad Celsius verflüssigt wurde und dadurch nur noch ein Volumen von ca. 1/600stel des gasförmigen Erdgases aufweist.
In diesem Zustand kann LNG in speziellen Tankschiffen mit isolierten Lagertanks transportiert werden. Am Bestimmungsort wird es dann in den gasförmigen Zustand zurückversetzt, so dass es wieder für die Weiterleitung per Pipeline zur Verfügung steht.
Auf diesem Wege kann LNG aus Regionen bezogen werden, die nicht durch Pipelines mit Europa verbunden sind, z. B. aus dem Nahen Osten sowie West- und Nordafrika. Diese Ausweitung der Bezugsquellen verringert die Abhängigkeit von einzelnen Lieferländern und stärkt damit die Versorgungssicherheit.
Für die Einspeisung in das Erdgasnetz hat die Vereinigung des Gas- und Wasserfaches e.V. (DVGW) verbindliche Qualitätsstandards festgelegt. So ist sichergestellt, dass das Gas im Netz gleichbleibende Qualität aufweist.
Weltweit ist der Verbrauch von Öl und Gas in den vergangenen Jahren beständig gestiegen. Nach Angaben der Internationalen Energieagentur (IEA) erhöhte er sich im Zeitraum 2000 bis 2007 bei Öl um rund 12 % und bei Gas um rund 21 %. Verantwortlich hierfür war insbesondere der dynamische Bedarfsanstieg in den Entwicklungs- und Schwellenländern. Allein in China stieg der Ölverbrauch in dieser Zeit um rund 61 %, der Gasverbrauch um rund 185 %. Für Indien ergibt sich ein Anstieg um rund 26 % beim Öl und um 59 % beim Gas. In Deutschland ist der Ölverbrauch im Zeitraum 2000 bis 2008 um rund 11,5 % gesunken, während sich der Gasverbrauch um rund 3,5 % erhöhte.
Nach neuesten Studien werde der weltweite Bedarf an Öl und Gas mittelfristig weiter zunehmen. So geht die IEA in ihrer Prognose "World Energy Outlook 2008" davon aus, dass bei Fortschreibung der aktuellen Trends die weltweite Nachfrage nach Öl bis 2030 um durchschnittlich 1,0 % und nach Gas um durchschnittlich 1,8 % pro Jahr steigen wird. Vor allem in den Entwicklungs- und Schwellenländern sieht die IEA einen erheblichen zusätzlichen Bedarf.
Auch in zwei alternativen Szenarien, die stärkere klimapolitische Einflussnahmen unterstellen, erwartet die IEA einen Anstieg der Nachfrage, allerdings mit deutlich geringeren Wachstumsraten (pro Jahr 0,3 bis 0,6 % für Öl und 0,9 bis 1,4 % für Gas).
Die Förderung konventionellen Erdöls wird nach Einschätzung der IEA bis zum Jahr 2030 einen Höchstwert erreichen. Danach wird zunehmend Öl aus anderen Quellen gewonnen, etwa aus Teersand und Ölschiefer (so genanntes unkonventionelles Erdöl) sowie aus Kohle, Gas und aus nachwachsenden Rohstoffen.
Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) geht aus geologischer Sicht davon aus, dass bei moderatem Verbrauchsanstieg Erdöl bis etwa 2020 leicht und kostengünstig (d.h. konventionell) gefördert werden kann. Von diesem Zeitpunkt an, dem so genannten "Peak Oil" (englisch für Ölfördermaximum), dürfte die Welt-Erdölförderung kontinuierlich zurückgehen. Die sich damit eröffnende Lücke zwischen Nachfrage und Angebot müsste durch nicht-konventionelles Erdöl (schwieriger und teurer gewinnbar), Ölsubstitute aus Erdgas, Kohle oder Biomasse und andere Energierohstoffe oder erneuerbare Energien geschlossen werden bzw. entsprechende Energiemengen müssten durch geeignete Maßnahmen eingespart werden.
Die "Peak Oil"-Theorie basiert auf einer Konzeption zur Entwicklung der Erdölförderung, die besagt, dass Förderung und Verbrauch von Erdöl - wie im Prinzip für jeden endlichen, d. h. nicht-erneuerbaren Rohstoff - im Idealfall einen glockenförmigen Verlauf ("Hubbert-Kurve") zeigen. Die 50%ige Erschöpfung des Gesamtpotenzials und die maximale Förderung fallen nach dieser Theorie zeitlich in etwa zusammen. Mit "Peak Oil" wird der Zeitpunkt der maximalen Erdölförderung bezeichnet, bezogen z. B. auf einzelne Felder, Gebiete, Länder, Regionen oder die gesamte Welt. Zu der Frage, wann, wie und wodurch bedingt "Peak Oil" erreicht wird oder ob es eher zu einem mehrjährigen Plateau mit anschließendem Abfall kommen wird, gibt es unterschiedliche Expertenmeinungen. Einfluss hierauf hat unter anderem,
ob es mit verstärkter Exploration auch in unwirtlichen Regionen wie Tiefstwasser oder Arktis gelingt, neue Felder zu entdecken und in Förderung zu bringen;
ob es mit neuen bzw. verbesserten Technologien gelingt, aus den bekannten Feldern mehr herauszuholen;
ob nicht-konventionelles Erdöl wie Ölsande, Schwerstöle und vielleicht auch Ölschiefer eine größere Rolle spielen kann;
inwieweit andere Treibstoffe aus Kohle, Erdgas und Biomasse einen Teil des Rückgangs beim Erdöl ausgleichen können;
welche weiteren Fortschritte es bei der Steigerung der Energieeffizienz gibt
und
wie sich der Erdölverbrauch in Abhängigkeit von der Preisentwicklung und unter dem Einfluss der Klimadiskussion entwickelt.
Der Anteil der Erdölförderung aus der OPEC und speziell aus der Region am Persischen Golf wird zukünftig steigen. Die Konzentration der konventionellen Erdölreserven und auch der Erdgasreserven innerhalb der sogenannten "Strategischen Ellipse", die sich vom Nahen Osten über den Kaspischen Raum bis in den Hohen Norden Russlands erstreckt, birgt dabei Konfliktpotenzial. Diese Ellipse fällt teilweise mit politisch instabilen Regionen zusammen.
Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) geht davon aus, dass Erdgas aus geologischer Sicht in ausreichender Menge vorhanden ist, um noch über Jahrzehnte die absehbare Versorgung der Verbraucher zu gewährleisten.
Aufgrund der Verteilung der Erdgasreserven bzw. der Produktionsstandorte zu den Verbraucherzentren haben sich regionale Erdgasmärkte herausgebildet. Der Europäische Erdgasmarkt befindet sich wegen seiner Nähe zu erdgasreichen Regionen in Russland und den anderen Staaten der GUS (Gemeinschaft Unabhängiger Staaten) sowie in Nordafrika und dem Nahen Osten in einer komfortablen Situation.
Neben der Versorgung Europas über Pipelines wird zukünftig die Versorgung mit Flüssigerdgas (LNG) zunehmen.
In der Richtlinie 2004/67 des Rates vom 26. April 2004 über Maßnahmen zur Gewährleistung der sicheren Erdgasversorgung wurden Kriterien festgelegt, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten, die von den Mitgliedstaaten umgesetzt werden müssen.
Die EU verfügt über ein funktionierendes System der Vorsorge gegen Störungen der Ölversorgung. Danach hat jeder Mitgliedstaat bei bestimmten Hauptprodukten (Kraftstoffe, Heizöle) Vorräte in Höhe von mindestens 90 Verbrauchstagen vorzuhalten. Die Europäische Kommission bereitet einen Richtlinienvorschlag vor, um dieses System anzupassen. Ziel ist es, ein effektiveres und solidarisches Vorsorgesystem zu schaffen und mit der Internationalen Energie Agentur (IEA) abzustimmen.
Weil sich Störungen der Ölversorgung meist weit über einzelne Länder oder Regionen hinaus auswirken können, reichen oft nationale Maßnahmen allein oder auch im Rahmen der EU nicht aus. Solche Krisenreaktionsmaßnahmen müssen international koordiniert durchgeführt werden. Deutschland ist deshalb in das Ölkrisenvorsorgesystem der Internationalen Energie Agentur (IEA) in Paris eingebunden. Dieses auf einen völkerrechtlichen Vertrag (Internationales Energieprogramm) gestützte System sieht vor, dass die heute 27 Mitgliedstaaten in einer Ölkrise solidarisch und koordiniert reagieren.
Die Mitgliedstaaten sind unter anderem verpflichtet, Ölvorräte zur Abdeckung von 90 Einfuhrtagen und ein aktives Programm zur Nachfragebeschränkung vorzuhalten. Bei einer erheblichen Störung der Ölversorgung ist es möglich, diese Instrumente unter Koordinierung durch die IEA entsprechend den gemeinsam beschlossenen Regelungen von den Mitgliedstaaten anzuwenden.
Die einfachste Antwort darauf ist: Indem wir alle weniger davon verbrauchen. Jeder sollte seine Verbrauchsgewohnheiten überprüfen und sehen, welche Alternativen ihm zur Verfügung stehen. Sie könnten beispielsweise überlegen, ob so manche Fahrt mit dem PKW wirklich nötig ist, ob Sie beim nächsten Autokauf mehr Wert auf die Verbrauchswerte legen oder bei der Ölheizung stärker die technischen Möglichkeiten für einen abgesenkten Heizungsbetrieb nutzen, zum Beispiel bei Abwesenheit.
Ebenso wichtig ist es, die Energieeffizienz weiter zu erhöhen. Ziel ist es, immer sparsamere Motoren zu entwickeln, die bei gleicher Leistung und ohne Einbuße an Fahrkomfort weniger Kraftstoff verbrauchen. Besonders im Bereich der Wohnungsbeheizung gibt es erfahrungsgemäß oft große Reserven zur Senkung des Heizölverbrauchs durch bessere Wärmedämmung des Gebäudes und den Ersatz älterer Heizanlagen durch moderne energiesparende Systeme. Heizungen mit Brennwertnutzung und Solaranlagen können gegenüber älteren Heizungen erhebliche Einsparungen erzielen.
Ein weiterer Weg ist die Nutzung erneuerbarer Energien als Kraftstoffe. Mischungen von fossilen Kraftstoffen mit Anteilen von Biodiesel bzw. Bioethanol, die Verwendung von reinem Biodiesel, Pflanzenölen und Biogas als Kraftstoff oder längerfristig auch Biokraftstoffe der so genannten zweiten Generation sowie regenerativ gewonnener Wasserstoff in Brennstoffzellen können zur Verminderung des Verbrauchs fossiler Kraftstoffe beitragen. Auch im Heizungsbereich gibt es Anwendungen für Biodiesel, zum Beispiel in Blockheizkraftwerken. Aktuell wird auch daran geforscht, wie durch Zusatz von Biodiesel der fossile Anteil in konventionellem Heizöl gesenkt werden kann.
Der Beitrag der erneuerbaren Energien (Wasserkraft einschließlich der Wellen-, Gezeiten-Salzgradienten- und Strömungsenergie, Windenergie, solare Strahlungsenergie, Geothermie, Energie aus Biomasse einschließlich Biogas, Deponiegas und Klärgas sowie aus dem biologisch abbaubaren Anteil von Abfällen aus Haushalten und Industrie) zur Energieversorgung in Deutschland ist in den letzten Jahren beständig gewachsen. Im Jahr 2008 trugen sie bereits zu 7,1 % zum Primärenergieverbrauch bei (2000 noch 2,9 %) bzw. zu 9,7 % am Endenergieverbrauch (2000: 3,8 %).
Zu dem Anstieg der Nutzung von erneuerbaren Energien hat das seit dem 1. April 2000 geltende Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) beigetragen, mit dem die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien gefördert wird. Ihr Anteil an der Stromerzeugung ist von 6,3 % im Jahr 2000 auf 14,4 % im Jahr 2008 angestiegen. Ziel der Bundesregierung ist es, mit dem novellierten EEG 2009 diesen Beitrag bis 2020 auf mindestens 30 % zu erhöhen.
Weiter will die Bundesregierung bis zum Jahr 2020 den Anteil der erneuerbaren Energien an der Wärmeerzeugung auf 14% und ihren Anteil am gesamten nationalen Bruttoendenergieverbrauch im Rahmen der EU-Erneuerbare-Energien-Richtlinie auf 18% steigern.
Die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien kann mit Wasserkraft und Biomasse nur einen geringen Teil zur sogenannten gesicherten Leistung beitragen. Da Strom derzeit nicht in relevantem Maß speicherbar ist, muss die Versorgungssicherheit durch zusätzliche konventionelle Energieerzeugung, die entsprechende Reserve- und Ausgleichsleistung für wind- und sonnenschwache Perioden bereit stellt, gewährleistet werden.